Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft
des Starken.

                                                                                                         Mahatma Gandhi
 
Indirekte Gewaltformen

Kulturelle Gewalt

Kulturelle Gewalt gegenüber älteren Menschen entwickelt sich aus gesellschaftlichen Werthaltungen und negativen Vorurteilen
gegenüber ihren Bedürfnissen, Wünschen und Fähigkeiten. Die dadurch entstehende Benachteiligung älterer Menschen bildet den
Nährboden dafür, dass respektloses Verhalten, Demütigungen oder Übergriffe toleriert werden.

Kulturelle Gewalt unterstützt auch die Entstehung von struktureller (indirekter) sowie personeller (direkter) Gewalt!

Strukturelle Gewalt

Auch auf der Ebene der strukturellen Gewalt tritt niemand in Erscheinung, der einen älteren Menschen direkt schädigt. Diese Form der
Gewalt ist in gesellschaftlichen und institutionellen Strukturen verankert und verbirgt sich hinter Normen und Regelungen. Bei der
Formulierung widersprüchlicher Gesetze, bei der Verordnung starrer Regeln oder bei unhinterfragter Umsetzung inhumaner Vorschriften
findet ein konstanter Prozess von Gewaltausübung statt.  

 

Direkte Gewaltformen


körperliche Misshandlung oder Gewalt
Beispiele:

•    nachdrückliches Anfassen am Oberarm
•    heftiges Niederdrücken in Stuhl oder Bett
•    Ohrfeigen, Schlagen, Beißen, …
•    heftiges Zerren an den Haaren (z.B. beim Kämmen)
•    Speisen nicht mundgerecht oder zu heiß geben
•    hastiges, ungeduldiges Eingeben von Speisen oder Getränken
•    Anbinden an Stuhl oder Fixieren im Bett
•    eigenmächtiges Überdosieren von Medikamenten zur Ruhigstellung



psychische Gewalt

Isolieren:
Beispiele:

•    Informationen vorenthalten
•    ständige Beaufsichtigung und Kontrolle
•    Telefon (oder Rufhilfe) außer Reichweite stellen
•    keine Kontakte zu Angehörigen oder Bezugspersonen zulassen
•    Verweigerung des persönlichen Gesprächs



Demütigen:     
Beispiele:

•    ungeduldiges Anschreien
•    Behandeln des Älteren wie ein Kind
•    Respektlosigkeit (nicht-vereinbartes Duzen, Spitznamen, reden über den Kopf hinweg, …)
•    Bloßstellen in der Öffentlichkeit durch Sprechen über körperliche/geistige Schwächen


Quälen:
Beispiele:

•    Erzeugen von Ängsten und Schuldgefühlen durch Drohungen
•    Beschimpfen und Beleidigungen

Vernachlässigung
Beispiele:

•    ungenügende Körperpflege
•    ungenügende Verabreichung von Medikamenten
•    verabsäumte Anleitung zum Trinken
•    unterlassen von Geh- oder Bewegungsübungen
•    Verabreichen von Breikost aus Zeitersparnis
•    Verwendung von Inkontinenzmaterial anstatt Begleitung zur Toilette



sexuelle Belästigung oder Gewalt
Beispiele:

•    ungewünschtes Tätscheln
•    Unnötiges Berühren intimer Körperteile bei der Pflege
•    Verletzung der Intimsphäre, z.B. durch Körperpflege bei offenen Türen
•    Belästigung durchs Erzählen anzüglicher Witze



Einschränkung des freien Willens
Beispiele:

•    Einschränkung von individuellen Lebensgewohnheiten älterer Menschen durch Vorgabe von Regeln
     (Hygiene, Bewegung, (kein) Nahrungswunsch, ….)

•    Aussortieren der Kleidung
•    Auflösung der Wohnung oder des Sparbuchs ohne Einwilligung


finanzielle Gewalt
Beispiele:

•    erzwungene Abtretung von Pension und/oder Pflegegeld
•    Entwendung von Schmuck oder anderen Wertgegenständen
•    Auflösung von Sparbüchern oder Fälschen der Unterschrift

| ProSenectute Beratungstelefon | www.gewaltfreies-alter.at 0699 / 112 000 99 | Impressum |  www.prosenectute.at |